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Autoreninterview mit Robin Armstrong



Fotograf: KD Busch




Autoreninterview mit Robin Armstrong












Hallo liebe Robin,

wir von MeinLesezauber freuen uns, dass Du neben Deinem Beruf und dem Schreiben noch Zeit für das 5-Fragen-Autoreninterview genommen hast. :-)


Was magst Du uns über Dich erzählen?
Bücher und Geschichten waren schon immer ein unglaublich wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich kann mich noch erinnern, als ich als Kind mal krank war, dass meine Mama einen Schneiderbuch-Sammelband aus dem Geschenkekorb holte, der eigentlich für meinen Geburtstag bestimmt war, ihn mir gab und seufzend sagte: "Und lies nicht gleich wieder alle auf einmal…" Bücher wurden bei mir nie alt. Gut, dass es die Stadtbücherei gab!

Ich weiß noch, wie ungeduldig ich war, in die Schule zu kommen. Ein bisschen Lesen hatte ich mir schon beigebracht, aber ich wollte es endlich richtig lernen, und die ganzen Welten in den Büchern, die mir bis dahin immer vorgelesen wurden, selbst entdecken. Diese Liebe und Leidenschaft für Bücher und Geschichten ist mir bis heute geblieben. #EinTagohneLesenisteinverlorenerTag

Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, habe ich angefangen, Kurzgeschichten und Novellen zu schreiben – und als Teenager folgten natürlich die fast unvermeidlichen Liebesgeschichten und Gedichte. Außer meiner lieben Schulfreundin Petra, die mir versichert, sie habe die Geschichten damals gerne gelesen, ist es glaube ich besser, dass diese Frühwerke nie wirklich das Licht der Welt erblickt haben. :-)

Ich habe nie aufgehört zu lesen, aber nach dem Studium (Englische Literatur und Geschichte) gab es eine lange Zeit, in der ich nicht geschrieben habe. Beruflich natürlich schon – wenn man erst im Lektorat arbeitet und dann im Marketing, schreibt man natürlich immer, aber das kreative Schreiben ist irgendwie hinten runter gefallen und im stressigen Berufsalltag untergegangen. Bis ich eines schönen Sommertages bei einem mittäglichen Einkauf ein so bizarres Erlebnis hatte, dass ich bei mir dachte: "Das musst du aufschreiben!" Gesagt, getan – und ich weiß bis heute nicht recht wie, aber das hat einen solchen Spaß gemacht, dass ich mich nach einer Weile umgeguckt und gedacht habe "Mensch, du schreibst einen Krimi!"

Ich arbeite nach wie vor Vollzeit als Marketing- und Projektmanagerin in Aachen, und ich habe immer noch sehr viel Freude an meinem Beruf und an meinem Job. Ich schreibe in meiner Freizeit – am Wochenende und im Urlaub. Manchmal ist es natürlich nicht ganz einfach, sich nach einer langen Woche aufzurappeln und an den Schreibtisch zu setzen, aber ich habe so viel Freude an meinen Figuren und Charakteren, ich mag sie so gerne, dass es dann doch wieder nicht schwer ist.

Momentan sitze ich an Band Zwei der Britta-Sander-Reihe, das Konzept für Band Drei steht auch schon. Und auch das wird sicher noch nicht das Letzte sein, was wir von B
ritta, Tahar, Sammy und Co. hören werden…

Wie viele Bücher liest du im Schnitt?
Wenn ich Urlaub und richtig Zeit zum Lesen habe, können das schon mal drei oder vier in der Woche werden. Wenn ich arbeite, sind es maximal zwei in der Woche.
Grundsätzlich können wir festhalten: Es sind immer deutlich weniger als ich gerne lesen würde, und mein SuB hat mehrere Abteilungen… :-)


Was macht für dich ein gutes Buch aus?
Ein gutes Buch ist ein Buch, in dem ich sozusagen "verschwinde", bei dem ich alles um mich herum vergesse und nach ein paar Stunden verdutzt hochgucke und mir wieder einfällt, wo ich bin. Die Kategorie "Ich fahre an meinem Zielbahnhof vorbei, weil ich die Nase so tief in meinem Buch habe."

Ein gutes Buch muss mich unterhalten, oder umgekehrt ein Buch, das mich langweilt, ist ein schlechtes Buch. Da das Leben zu kurz ist für Bücher, die mich nicht packen, ich lege sie irgendwann weg.

'Unterhalten' kann in diesem Sinn viele verschiedene Dinge bedeuten. Ein Buch kann mich unterhalten, indem es mich dazu bringt: zu lachen, zu weinen, vor Spannung an den Fingernägeln zu kauen, nachzudenken, mich in einen der Charaktere zu verlieben (ja, kommt vor), mich aufzuregen, die Formulierungen zu bewundern, neue Dinge zu lernen und und und…

Ein gutes Buch kann für mich aus fast jedem Genre kommen. Ich lese sehr viele Krimis (Überraschung!), gute Fantasy und historische Romane, aber auch schon mal was Romantisches. Man findet mich auch mal mit einem guten Sachbuch unter'm Arm; SciFi und Horror eher selten, kommt aber auch vor.

Ich möchte von einem Buch vor allem intelligent unterhalten werden. Ich mag keine platten, plumpen, komplett vorhersehbaren oder sprachlich schlechten Bücher.

Ein gutes Buch ist ein Buch, bei dem man im Buchladen nostalgisch vor dem Regal steht, darüber streicht und leise flüstert: "Wie schön und wie schade, dass ich dich schon gelesen habe, und ich beneide alle, denen die Freude der ersten Begegnung noch bevorsteht."
Ein gutes Buch ist ein Buch, dass man immer wieder lesen kann und immer noch etwas Neues entdeckt.

Eine Frage liegt natürlich auf der Hand:
Gibt es eine reale Vorlage zu Sammy und Tahar?
Sammy gibt es wirklich. Sammy lebt aber nicht in Aachen, sondern in Australien.
Meine liebe Freundin Simone ist mit ihrem Mann vor einer ganzen Weile nach Australien ausgewandert, und nachdem sie einige Jahre dort waren, ging Simone mit einer Freundin an einem Geschäft mit putzigen kleinen Hundewelpen vorbei – und die Freundin sagte noch zu Simone: "Nimm ihn nicht auf den Arm, sonst nimmst du ihn mit." Simone nahm Sammy auf den Arm, und natürlich nahm sie ihn mit nach Hause. Da wir meine Freundin und ihre Familie (zu der auch mein Patensohn gehört) so oft es geht besuchen, haben wir trotz der Distanz schon viel von Sammy gesehen.

Sammy ist ein "Schnoodle", eine Mischung aus Schnauzer und Pudel. Brittas Sammy ist dem wirklichen Sammy sehr ähnlich – auch wenn der echte Sammy inzwischen schon ein leicht betagter grauer Hunde-Herr ist, während Sammy im Buch noch ganz schwarz und ganz jung ist.

Und damit Simone mich nicht haut, sage ich auch noch dazu, dass der echte Sammy natürlich nicht (ganz) so unerzogen ist wie der Sammy im Buch.
Im wirklichen Leben lieben alle Sammy, der ein unglaublich liebenswerter, freundlicher, neugieriger Geselle ist, der springen kann wie ein Gummiball, laufen wie ein Windhund und verschmust ist wie ein drei Monate altes Kätzchen. Am beeindruckendsten finde ich immer, dass Sammy es (fast) schafft, mit allen Vieren gleichzeitig abzuheben, wenn etwas zu Essen auf dem Tisch steht. Ich fand, einem solch genialen Hund musste ein Denkmal gesetzt werden.

Tahar habe ich mir ausgedacht. Zu Tahar gibt es keine reale Vorlage. Ich habe eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie Tahar aussieht, aber es gibt ihn im wirklichen Leben nicht – was ein bisschen schade ist. Er ist einer meiner absoluten Lieblinge und vor dem verwuschelten Franzosencharme dieses genialen IT-Spezialisten ist selbst die Autorin nicht ganz gefeit. :-)

Wer oder was hat Dich zum Charakter der Britta Sander inspiriert?
Das ist wirklich eine gute Frage. Eigentlich ist Britta im Laufe der ersten Kapitel in meinem Kopf richtig lebendig geworden. Das Schreiben fing ja an mit einem sehr bizarren Erlebnis, das ich beim Einkaufen in der Mittagspause hatte – davon ist noch übrig geblieben, dass Britta am Anfang des Prologs schwer bepackt mit Einkaufstüten in die Detektei zurückkommt.

Da es verständlicherweise keinen Menschen interessiert, was ich so beim Einkaufen alles erlebe, dachte ich mir, wie es denn wäre, wenn dieses Erlebnis nicht ich hätte, sondern eine junge Privatdetektivin, die den gähnend langweiligen Observationsalltag unterbricht, um einzukaufen. Britta war geboren.

Es war eine total spannende Erfahrung, eine Geschichte mit einer Protagonistin zu schreiben, die ich am Anfang noch gar nicht richtig kannte. Wie reagiert Britta auf Situation XY? Wie sieht ihr Leben außerhalb der Detektei und ihrer Arbeit aus? Was treibt sie um? Wer sind ihre Freunde? Wie tickt sie?

Ich finde Britta klasse – das hört sich jetzt total doof an, weil ich sie ja erfunden habe. Was ich meine ist, dass wir mehr solche weiblichen Heldinnen brauchen. Sie ist tough, mutig, schlagfertig und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie ist clever, witzig, loyal, eine gute Freundin und gut in ihrem Job. Sie hat in ihrem Leben viel Mist erlebt und eine (mit wenigen Ausnahmen) furchtbare Familie. Trotzdem geht sie hocherhobenen Hauptes durchs Leben und hat genug Abstand zu sich selbst, dass sie nicht nur die anderen auf die Schippe nimmt, sondern auch sich selbst. Eine Eigenschaft, die ich auch im wirklichen Leben sehr wichtig finde. Wenn wir uns selbst zu ernst nehmen, geht uns die Freude am Leben verloren. Das Leben ist schon ernst genug.

Britta hat sicher insofern eine gewisse Ähnlichkeit mit mir, als man mir auch ein recht loses Mundwerk nachsagt. :-) Aber ansonsten sind wir schon sehr unterschiedlich. Britta ist sicher sehr viel mutiger als ich, sehr viel chaotischer und kann Sachen, die ich nie im Leben hinbekommen würde. Aber das ist auch das Schöne an so einer Figur. Man kann mal Dinge ausprobieren, die man selbst wahrscheinlich nie tun würde. Ich will ja keine Geschichte über mich erzählen, sondern eine über Brita und ihre Freunde und Kollegen. Und Britta hat noch so einiges in petto…


Liebe Robin, lieben Dank für Deine Mühe & Zeit, die dieses Interview mit sich gebracht hat. :-) Wir sind sicher, dass unsere Leser jetzt mehr über Deinen Krimi "Vergeben und Vergessen" erfahren möchten. ;-)


Buchdaten zu "Vergeben und Vergessen" von Robin Armstrong:

Klappentext:
In der Aachener Detektei Schniedewitz & Schniedewitz geht alles wie immer seinen ungeordneten Gang: Man observiert wirklich oder vermeintlich untreue Ehepartner, versucht den Klienten die Ergebnisse möglichst schonend beizubringen und muss dafür sorgen, dass Chef Fritz Schniedewitz kein Unheil anrichtet oder sich gar - o Graus - aktiv in eine Ermittlung einschaltet. Die Kollegen - allen voran Britta Sander und Eric Lautenschläger - versüßen sich den drögen Alltag mit kleinen freundschaftlichen Biestigkeiten, um die Lachmuskeln im Training zu halten.

Mitten in den eintönigen Alltag platzt die Nachricht, dass Karrierefrau Sabrina Kempfer spurlos verschwunden ist. Von der verzweifelten Familie beauftragt, macht Britta sich an die Arbeit, und Sabrina ist schnell gefunden – leider tot. Weder Britta noch die Familie glauben an den vermeintlichen Selbstmord, und als eine Jugendfreundin Sabrinas bei einem Reitunfall ums Leben kommt, läuten bei Britta alle Alarmglocken. Höchste Eile ist geboten, denn die Schatten der Vergangenheit machen bei zwei Opfern nicht halt – nichts ist vergessen und vergeben schon gar nicht…

Hier zur Leseprobe

Unsere Rezension könnt Ihr hier einsehen:
Vergeben und Vergessen - Robin Armstrong

Verlag: Armstrong, Robin
Auflage: 25. Mai 2017

Format: Broschiert
Preis: 9,99 €
Seitenanzahl: 291 Seiten
ISBN: 978-3-000-56018-7

Format: Kindle Edition
Preis: 4,99 €
Seitenanzahl: 257 Seiten
Dateigröße: 847 KB
ASIN: B06WP8HXJS


Eure Büchereulen Suzi Guzi & Romy


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